Highlight zum Jahreswechsel - Platz 10 im Weltcup!

 |  Sonntag, 11 Januar 2015 00:00

Die ersten Weltcuppunkte sind da, und wie!!!

Nach nur einem Training in Santa Caterina wurde das zweite Training abgesagt und es ging direkt zum Rennen. Das Training verlief nicht entsprechend, ich verlor Zeit aber war trotzdem gut auf das Rennen gestimmt. Endlich mal ein Rennen, wo ich nicht einen Nachteil hatte als Neuling; denn alle Routiniers waren auch Neulinge auf der frischen Strecke in Italien.

Der Renntag war windig, es schneite ziemlich und das Wetter wurde immer schlechter gemeldet gegen Tagesende. Es wurde diskutiert, ob das Rennen vom Reservestart aus gestartet wird. Auch ich war dafür, von oben hätte es wahrscheinlich ein unfaires Rennen gegeben, gefährlich wäre es bei den Sprüngen auch geworden. Aber erst als der erste Vorfahrer grausam stürzte, sah dies die Jury ein und legte den Start nach unten an den Reservestart. Für alle wieder eine neue Situation. Mit Startnummer 34 ging ich an den Start.

Ich startete nicht perfekt, aber ganz ok und ansprechend. Bei der ersten Zwischenzeit verlor ich nicht viel, lediglich 0.19sek auf den Führenden. Auch Ausfahrt Steilhang ging alles auf, kam mit gutem Gefühl auf die Fläche in der Hocke. Und auf einmal sah ich ein Männchen mit der gelben Fahne - abbremsen, einer vor mir ist gestürzt und ich muss nochmals starten. Für mich natürlich ein grosser Ärger.

Janu, mit dem Skidoo gings zur Mittelstation, mit den Rennski (mit nur einem Skibändeli zusammengebunden, anstatt 4...) gings mit der Gondel wieder rauf und ich musste mit den Rennski an den Start fahren/laufen. Es hatte relativ viele Steine und ich hatte eher Angst um meine Ski als um mein Rennen. Hässig ging ich zum Start, zog enttäuscht die Ski ab, der ganze Staff wusste, wie sich das anfühlt. Natürlich hatte ich nicht einfach einen zweiten Ski am Start, der Servicemann schaute kurz den Ski an und gab das ok, er habe nicht allzu viele Steine abgekriegt. Also das Zeichen, dass ich es nochmals versuchen kann und es sich trotz allem noch lohnt.

Im Moment im Starttor nahm ich mich nochmals zusammen, ich dachte, welche Kurven ich oben verbessern müsse, was ich schneller fahren kann bis zu meinem ersten Rennabbruch. Und dies versuchte ich umzusetzen, ich fuhr sehr überzeugt Ski, setzte alles auf eine Karte und wusste, wo ich wie lange in der Hocke fahren kann, wo ich öffnen muss etc.

Im unteren Teil gab es Kurven, die ich besser hätte fahren können, ich erwischte aber die meisten Kurven ganz gut. Nach der Ziellinie dachte ich: "So Ralph, jetzt siehst du Platz 35-40, es war eine weitere Trainingsfahrt, scheiss Tag, abhaken und weiter gehts." Trotzdem schaute ich mal scheu auf die Anzeigetafel; und konnte es kaum glauben, die '10' stand da! Ich musste aber schon ein zweites Mal hinschauen, sodass ich nicht zu früh juble weil ich mich verschaut habe. Ich dachte, dass das gar nicht möglich ist, aber es war tatsächlich so!

Danach gab es einen ziemlichen Medienrummel, extrem viele schreibten mir, auf der Heimreise war ich vier Stunden am zurückschreiben und auch Tage danach war ich beschäftigt, jedem persönlich zurückzuschreiben. Ich bedanke mich herzlichst bei allen, die mir Glückwünsche und Gratulationen aussprachen und das ganze mitverfolgt haben. Auch der kleinen Fanclub-Gruppe, die nach Santa Caterina mitgekommen sind sowie der Familie möchte ich mich bedanken für die Unterstützung!

Die Fahrten von mir gibts noch im SRF Videoportal zu sehen.

Und entschuldigt die späte Dokumentation dieses super Erfolges, ich beantwortete extrem viele WhatsApp, SMS, Mails, Telefone etc. und wollte das ganze mal legen lassen.

Nun geht es wieder zum Highlight-Rennen des Jahres, das Lauberhorn ruft und ich freue mich wieder auf die minutenlange Gänsehaut, als Schweizer Abfahrer das schönste Rennen des Jahres! Bis in Wengen, euer Ralph

Foto: Copyright by Sven Thomann/BlickSport

Rennrückblick Nordamerika

 |  Samstag, 06 Dezember 2014 00:00

Für meine Mitverfolger habe ich gerne kurz meine beiden Weltcupabfahrten von Lake Louise und Beaver Creek zusammengefasst, viel Spass beim Lesen! ;-)

Rennbericht Lake Louise

Nach nur einem Training bei -20 Grad Celsius schneite es sehr viel und am Renntag herrschten völlig andere Bedingungen vor. Bei eiskalten Temperaturen von -28 Grad Celsius starteten wir aber trotzdem pünktlich zum Rennen bei traumhafter Kulisse. Nachfolgend einige Schilderungen zum Rennen und wo ich meines Erachtens Zeit liegen gelassen habe unterwegs.

Im oberen Teil fuhr ich einmal zu nah ans Tor, war vielleicht ein wenig zu agressiv auf diesem sehr kalten Schnee. Im Mittelteil stellte ich unnötig quer beim Fishnet, was aber je nachdem gar nicht so blöd war. Und im unteren Teil wollte ich die Ski zu früh laufen lassen, ich war ein wenig zu spät und kam in den Neuschnee. Und auch in der letzten Kurve verpasste ich den Ansatz ein wenig, es war sehr weich und kostete mich nochmals einige Zeit.

Schlussendlich landete ich mit Startnummer 35 auf dem 43. Platz, womit ich sicherlich nicht zufrieden bin und ärgere mich über mich selber; solche Chancen muss man nutzen. Ich hatte nicht viele Fehler aber schlussendlich zählt es sich auf einem so einfach Kurs mit diesen Verhältnissen anscheinend doch extrem.

Rennbericht Beaver Creek

Auf das Rennen in Beaver Creek freute ich mich auch besonders. Auch hier war ich schon mal, obwohl aber letztes Jahr auf der Strecke 'Raptor' gefahren wurde und dieses Mal wieder auf der 'Birds of Prey', der eigentlichen und schwierigeren Abfahrtsstrecke. In den Trainings verlor ich anfangs ziemlich Zeit; es hatte Schwünge drin, die ich vom Gelände her noch nie so fahren konnte. Ich steigerte mich aber von Lauf zu Lauf, immer mehr Kurven sitzten mir und ich konnte am positiv aufs Rennen eingestellt sein.

Der Renntag war wettertechnisch abwechslungsreich und ich sah, wie eine Nimbocumulus-Wolke langsam sich herannähert und es mich je nachdem treffen könnte mit der schlechten Sicht. Also nahm ich zwei Head-Brillen an den Start; eine mit Glas für gute Sicht, die andere für schlechte Sicht. Zwei Minuten vor meinem Start wechselte ich dann auf das 'Schlechtwetterglas', was eine gute Entscheidung war, es konnte losgehen!

Ein guter Start war wichtig, hier in Beaver Creek, es war anfangs ziemlich flach. Mit 0.05sek Rückstand auf Mister Jansrud war ich oben noch dabei. Bei der Netzkurve (welche bei der ersten Besichtigung wirklich etwas unheimlich aussieht!) konnte ich nicht alles auf Zug durchfahren. Es ging weiter mit dem eher anspruchsvollen und schnellen Mittelteil, welcher mir grösstenteils zufriedenstellend geling. Bei den Gleitkurven patzte ich: Ich wollte zu viel und musste im Gleitstück nachdrücken, das kostete nochmals viel Zeit!! Die letzten Sprünge gingen mir gut, der untere Teil passte so und ich konnte ihn fahren, wie ich es mir vorgestellt hatte. Da allerdings vom Flachstück vor dem Golden Eagle her der Speed fehlte, büsste ich das bis zum letzten Meter. Schlussendlich war ich mit Startnummer 34 mit 2.61sek Rückstand (eigentlich gar nicht so schlecht auf der bekanntlich drittschwersten Abfahrt nach Kitzbühel und Bormio) nur auf dem 44. Rang. Alles lag brutal nah zusammen, auf den 2. Platz verlor ich 'nur' 2.1sek.

Alles in allem bin ich immer noch um 5 Jahre der jüngste im Schweizer Team momentan, war der 2. oder 3.-jüngste am Start der beiden Rennen; das wird viel vergessen. Trotzdem aber: Persönlich will ich mit älteren mithalten können, das ist mein Ziel und soll es auch sein.

Ich denke, dass technisch seit dem letzten Jahr ein grosser Schritt vorwärts gegangen ist und sich auf dem sicherlich aufbauen lässt. Es geht momentan noch darum, die Pisten kennen zu lernen mit all ihren Tücken, was bei mir Trainingsfahrten braucht. Morgen Samstag gehts nach Hause, Sonntag nach dem Mittag bin ich in Zürich und dann ist am Montag bereits für mich Anreise an die Riesenslaloms in Davos, wo ich höchstwahrscheinlich mit genug Jetlag am Start stehe und die versäumten Riesenslalompunkte des letzten Jahres einfahren möchte.

Herzlichen Dank allen, die mitgefiebert haben und danke auch an www.zoom-agence.fr für die coolen Bilder für euch!

Ich freue mich auf Gröden!

Bis bald, Ralph

Off to America!

 |  Donnerstag, 16 Oktober 2014 00:00

Neben vielen harten Stunden im Kraftraum, in den Bergen, auf den heimischen Gletscher in der Schweiz sowie in Österreich, geht es heute in einer Woche endlich wieder nach Nordamerika - bereits zum dritten Mal! (Da merkt man selber, dass man auch schon älter ist ;-))

Ich hatte einige gute Wochen in Zermatt wie auch im Pitztal bis Mitte Oktober. Aber auch uns holte irgendwann mal das Wetter ein; nach einem nahezu perfekten Sommer erwischten wir auch mal zwei Wochen mit etwas schlechterem Wetter; nicht optimal, aber auch solche Tage sind sehr wertvoll. In einem etwas anderen Gelände im Pitztal, welches um einiges steiler ist, wurde ich aufs Neue gefordert. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatte ich aber auch dies mehr oder weniger im Griff und ich freute mich, wenn ich die Ski dann für 10 Tage in die Ecke stellen kann und die Koffer für Nordamerika packen darf.

Und darum auch sinnbildlich das Bild: Nach einem harten Sommer bin ich bereit und freue mich auf den ersehnten Winter.

Und nun ist es bald wieder so weit; Als einziger der Europacup-Trainingsgruppe darf ich mit der Weltcupgruppe mit und bin so quasi 'bei meinen alten Kollegen' der letzten Saison wieder dabei. Nach dem ersten Weltcup in Sölden wird man gerade ein bisschen kribbeliger und freut sich natürlich umso mehr, dass es dann selber losgehen kann.

Der Plan ist, dass wir zuerst nach wenigen Tagen aklimatisieren bereits die ersten Kontinentalrennen gefahren werden. Dies kann aber je nach Schneeverhältnissen variieren, vielleicht werden die Rennen auch abgesagt. Danach wird knapp zwei Wochen auf dem dortigen aggressiven Schnee trainiert und schon gehts für mich bereits zum zweiten Mal nach Lake Louise und Beaver Creek. Ich freue mich sehr auf diesen Trip, es ist immer sehr schön und interessant dort drüben über dem grossen Teich und ich warte gespannt auf die ersten Vergleiche mit der Weltcup-Gruppe.

Gerne halte ich euch auf dem Laufenden mit Bildern etc.

Bis bald, Ralph



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