Zwischen Abschluss und Anfang

 |  Samstag, 23 Mai 2015 16:41

So, die Rennsaison 2014/15 ist nun auch Geschichte und die neue Saison nach dem ersten Trainingslager mit der neuen Gruppe schon wieder eingeläutet.

Der letzte Teil der Saison verlief noch gut, bei FIS-Speedrennen in Gröden mit einer Top-Besetzung konnte ich z.B. vor Werner Heel, Silvano Varretoni etc. meine FIS-Punkte für die kommende Saison weiterhin tief halten. Weiter wurde ich dann beim letzten Rennen der Saison Vize-Schweizermeister im Super-G bei der Elite. Ein guter letzter Erfolg für mich und ich konnte meine Rennski getrost in die Ecke stellen. Aber es waren nicht die letzten Tage auf den Skis, bei weitem nicht! ;-)

Die Woche darauf waren noch einige Tage Training auf der WM-Strecke angesagt, die ziemlich intensiv waren. Aber auch am 15. April war ich noch nicht fertig mit der Saison; vom 19. - 25. April befand ich mich im Skilehrer-Aspirantenkurs in Zermatt. Wiederum sehr, sehr intensive Tage, wo wir uns meistens bis zum Liftende noch an komischen Skilehrerübungen versuchten ;-) Aber mit einer coolen und motivierten Truppe verging die Zeit sehr schnell und wir merkten einmal nicht mehr mal, dass beim Sessellift die Sessel weg waren nach 'Ladenschluss'...D

urch meine Vorkenntnisse in jungen Jahren in der Skischule Flumserberg (ich schloss die gesamte Skischule mit elf Jahren ab) fielen mir solche untypische Kurzschwungformen, Rückwarts fahren etc. um einiges einfacher als anderen. Schlussendlich konnte ich diese Tage neben 30 anderen Rennfahrern mit der besten Kursnote abschliessen, ein sauberes Ende einer langen Saison!

Einen Tag später ging es in die lang ersehnten Ferien; Zuerst ging es für einen Kurztrip nach Dubai, wo man zwei Tage den Luxus und die extremen Bauten bestaunen konnte. Dies war aber nur der Zwischenstopp und es ging weiter für eine Woche Sri Lanka: Mal bei 30-35°C Füsse hochlagern, Sonne tanken und einige Piña Coladas geniessen :-) Es ist ein äusserst interessantes Land ohne Massentourismus und mit sehr netten einheimischen Leuten! :-)

Und wer meint, ich hatte danach nochmals 3 Wochen Pause, der täuscht sich gewaltig: Am 6. Mai landete ich in Zürich von den Ferien, am 7. Mai musste ich schon wieder in Magglingen für die ersten Konditionstests sein. Mit Krafttests erörtete man meinen Formstand und definierte die Ziele für mein Sommertraining. Zusätzlich wurde ich von Scheitel bis Fusssohle vermessen auf Muskelmasse, Knochendichte, Fett etc.

Im Herbst gibts dann das gleiche Prozedere nochmals und ich hoffe auf höhere Werte; ausser beim Fett ;-)

Nach den Tests schleichte langsam wieder das normale Konditionstraining in meinen Alltag ein. Zuerst wird jetzt mit lockeren und dafür langen und vielseitigen Einheiten der Körper wieder an das ganze angewöhnt, danach werden die Einheiten immer kürzer und intensiver bis zum Vorwettkampftraining im späten Herbst.

Den ersten Kondikurs habe ich ebenfalls bereits hinter mir: Mit der neuen, eher jüngeren und dynamischen Abfahrts-Weltcupgruppe hatten wir einen coolen und intensiven Kondikurs in Giverola. Einige Bike- und Laufstunden habe ich in den Beinen, daneben waren wir noch Klettern, Tennis spielen, Fussball spielen, beim Rumpftraining etc...

Zwischenfälle wurden auch souverän geflickt; Bei meinem Vorderpneu schlitzte ich die Seitenwand vom Pneu auf, sodass der Schlauch rausgeschaut hatte. Zwei 5-Euronoten mussten herhalten und wurden zwischen Schlauch und Pneu gelegt; Dieser 'Flick' hielt bis am Schluss perfekt :-)

Rückblickend war es eine super Woche (umso schöner wenn es in der Schweiz so kalt und nass war ;-))

Weiter gehts mit Konditionstraining zu Hause und zwei Tage pro Woche im Kerenzerberg mit der Mannschaft. Ich freue mich auf die Sommerzeit und werde diese auch hier in der Schweiz vollumfänglich nutzen: Mit Marc Berthod, Nils Mani und Sandro Viletta trainiere hier auf den heimischen Gletschern. In den Herbstmonaten herrschen in Zermatt allerbeste Verhältnisse und ich kann den Heimvorteil ausnutzen. Mit einem kleinen Team sind wir mobil und müssen nicht unter dem Jetlag leiden.

Nun wünsche ich euch eine superwarme Sommerzeit und machts gut, wir sehen uns hoffentlich an einem Event oder sonstwo und die meisten dann hoffentlich am Fanclub-Tag am 6. Juni; ich freue mich darauf :-)

Erste Weltcup-Punkte im Super-G!

 |  Sonntag, 22 Februar 2015 16:06

Nach einem sehr schlechten Auftritt gestern, wo das Wetter nicht ganz wollte wie ich und ich dann dazu noch schlecht gefahren bin, konnte ich heute auftrumpfen.

Gestern startete ich das erste Mal in den Top 30, ein cooles Gefühl mit Nummer 23 direkt hinter der Top-Gruppe starten zu können! Ich verbockte es allerdings sehr und klassierte mich auf der anspruchsvollen Abfahrt mit schlechten Sichtverhältnissen auf dem 40. Platz. Natürlich war ich ziemlich enttäuscht von dieser Leistung, andere haben es mit ähnlichen Sichtverhältnissen auch geschafft; es war nicht einfach mit dieser Sicht, aber das soll ja nicht Schuld sein. Nichts passte an meiner Fahrt. Schlussendlich war es einfach ein Tag zum vergessen für mich. Es wäre wichtig gewesen, nochmals ein Top 30-Resultat zu erreichen, damit ich auch in Zukunft dort starten kann. Nun muss ich im Weltcup-Endspurt nochmals versuchen richtig Gas geben.

Heute nahm ich mir deutlich mehr vor. Seit meiner Weltcup-Premiere in Schladming 2012 bestritt ich wieder einmal einen Super-G. Mit Nummer 49 ging es an die Sache, das Wetter war wechselhaft, die Piste litt ziemlich. Es war eine Lotterie, wie das Wetter während der Fahrt war. Zwei Nummern vor mir war alles noch zu, dann riss es auf und ich sah sogar etwas von der Piste ;-) Also fuhr ich los, im Mittelteil dann nochmals zwei Tore ziemlich Nebel und ich dachte schon, dass jetzt die Nebelwand einige Tore anhält. Dies war aber zum Glück nicht so, nach zwei Toren war wieder offen, mir gelang eine Fahrt, die ich als 'ok' einstufte, keine groben Fehler aber hie und da mal einer. Je länger der Lauf wurde, desto schneller wurde ich und ich klassierte mich mit Nummer 49 auf dem guten 25. Rang, ich war ein wenig überrascht im Ziel, zeigte aber grösstenteils gutes Skifahren.

Ich hätte die Punkte auch gerne in der Abfahrt gemacht, aber es ist ja kein Wunschkonzert und ich bin natürlich so oder so zufrieden. Danke denen, die den Weg nach Saalbach gefunden haben und die Atmosphäre hier geniessen konnten. Schön, dass ich es mit dieser Leistung heute 'zurückgeben' konnte. Ich bleibe hier in Saalbach für weitere Europacup-Rennen.

Bis bald, Ralph

Entscheid für die Zukunft

 |  Mittwoch, 28 Januar 2015 00:00

Der Erfolg von Santa Caterina ist abgeklungen, an Silvester hatte ich einige Tage frei. Nach Silvester ging es weiter mit dem Europacup in Wengen. Auch dort hatte ich keine schlechte Erinnerung, war auch schon auf dem Podest. Aber dieses Mal sollte es nicht so sein. Das Brüggli-S fuhr ich im Training nicht ganz optimal und ich wusste, dass dies am Rennen dann auch nicht langen würde. Konsequenz: Ich musste den Schwung ein wenig früher ansetzen. Leider eine Zehntelsekunde zu früh am Rennen, ich fädelte fast ein, musste nochmals lösen und kam dann zu direkt um die Kurve. Ich knallte in die luftaufgeblasenen Banden, machte eine 360°-Drehung und kam unversehrt mit 7.19sek Rückstand ins Ziel. Am zweiten Tag wurde das Rennen wetterbedingt abgesagt, schade!

Für mich ging es aber trotzdem an das legendäre, längste Weltcuprennen am Lauberhorn, ich freute mich extrem wieder dort sein zu dürfen. Die Trainings waren ok und ich war bereit für die Kombination. Mit 20. Zwischenzeit fuhr ich ins Ziel-S und fuhr auf der engen Janka-Linie, der Bestzeit hatte. Eine etwas falsche Position und ein verdrehter Oberkörper verursachte dann einen Sturz mit all diesen Kräften, die in dieser Kurve wirkten. Schon wieder dieses verflixte Ziel-S, ich war ziemlich sauer an diesem Tag. Aber es kam auf Sonntag drauf an. Bei Kaiserwetter scherzte ich vor dem Start noch mit Paddy Kälin darüber, dass ich heute auf der längsten Strecke nicht zwei Mal starten möchte, einmal sei schon mehr als genug! Und genau das wurde mir zum Verhängnis, schon wieder stürzte dieser Terry Wyler vor mir, nach zwei Minuten Lauberhorn in den Beinen wurde ich wieder abgewunken! Was für ein Pech, ich war ziemlich sauer auf diesen Kanadier und hätte beim runter Rutschen am liebsten einen Halt bei ihm gemacht… Ich versuchte das Positive zu sehen, durfte nochmals einen Eiger-Mönch-Jungfrau-Panoramaflug erleben, was meine Stimmung nicht gross aufheiterte. Beim zweiten Mal hatte ich keine Chance mehr, meine Beine waren bei der Wasserstation durch und ich entschloss mich, die Hocke um ein paar Zentimeter zu heben, damit ich dann noch bis runter mag. Ich wollte dann einfach nur noch das Ziel-S mal am Rennen fahren können, und dies schaffte ich. Im Ziel sackte ich beim Bremsen zusammen, wie ein Häufchen Elend lag ich dort und war froh, dass ich fast zwei Mal die Strecke bewältigt habe. Das einzig Positive an dem Doppelstart: Der Fanclub sah mich zwei Mal über den Hundschopf fliegen ;-)
Nach diesem Resultat entschied ich mich, nach Val d’Isère an die Europacups zu reisen. Es war eine Entscheidung gegen Kitzbühel und eine Entscheidung für die Zukunft. Ich musste meine Startnummer für nächstes Jahr absichern und der Plan war, an den Europacups in die Top 3 zu fahren, um gute FIS-Punkte zu erhalten. Mit Startnummer 33 startete ich beim ersten Training und wer hat Nummer 32, siehe da: Terry Wyler! Mit dem Skianzug und dem Riesenslalom-Ski startete er zum ersten Training, hat aber (zum Glück) beim ersten Tor abgeschwungen (Aus Sicherheitsgründen muss man in der Abfahrt mindestens an einem Training gestartet sein, um am Rennen teilnehmen zu dürfen). Ich machte meine Fahrt, verlor um die 4 Sekunden und war nur 50.
Ich wusste, wo ich 2-3 Sekunden rausholen könnte, aber gerade 4-5 würden dann schon schwierig, zumal die anderen wahrscheinlich auch nicht perfekte Fahrten gehabt haben. Nach einer langen Videoanalyse ging ich dann schlafen und am nächsten Tag ging es mit Nummer 33 an den Start. Mein ‚Kanadier-Freund‘, der sich bis heute noch nicht entschuldigt hat, fehlte zum Glück, da er noch zu starke Schmerzen vom Sturz in Wengen hatte. Ich erwischte das meiste wie ich es wollte, kam ins Ziel und wurde 3.! Ein gutes Resultat, aber gebracht hatte es mich noch wenig, immer noch eine halbe Sekunde Rückstand. Am Tag darauf verbesserte ich dann nochmals einige Stellen, holte das möglichste heraus und konnte die Abfahrt von Val d’Isère gewinnen! Unser Plan war vollkommen aufgegangen und ich war sehr froh, dass ich das geschafft hatte. Nun sind sicher 50% der guten Startposition im Kasten und ich kann positiv nach vorne schauen.
Die Europacups in Crans Montana von morgen und Übermorgen wurden bereits abgesagt, weiter geht es nächste Woche mit zwei Abfahrten und einem Super-G in Sella Neva (im östlichsten Teil von Italien), bevor ihr mich dann wieder am Fernsehen weiterverfolgen könnt an den Weltcuprennen in Saalbach, Garmisch etc.

Natürlich würde ich mich auch freuen, den einen oder anderen vor Ort zu sehen, der Fanclub geht wieder und organisiert die Reise mit Privatautos.

Bis bald, Ralph



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