Entscheid für die Zukunft

 |  Mittwoch, 28 Januar 2015 00:00

Der Erfolg von Santa Caterina ist abgeklungen, an Silvester hatte ich einige Tage frei. Nach Silvester ging es weiter mit dem Europacup in Wengen. Auch dort hatte ich keine schlechte Erinnerung, war auch schon auf dem Podest. Aber dieses Mal sollte es nicht so sein. Das Brüggli-S fuhr ich im Training nicht ganz optimal und ich wusste, dass dies am Rennen dann auch nicht langen würde. Konsequenz: Ich musste den Schwung ein wenig früher ansetzen. Leider eine Zehntelsekunde zu früh am Rennen, ich fädelte fast ein, musste nochmals lösen und kam dann zu direkt um die Kurve. Ich knallte in die luftaufgeblasenen Banden, machte eine 360°-Drehung und kam unversehrt mit 7.19sek Rückstand ins Ziel. Am zweiten Tag wurde das Rennen wetterbedingt abgesagt, schade!

Für mich ging es aber trotzdem an das legendäre, längste Weltcuprennen am Lauberhorn, ich freute mich extrem wieder dort sein zu dürfen. Die Trainings waren ok und ich war bereit für die Kombination. Mit 20. Zwischenzeit fuhr ich ins Ziel-S und fuhr auf der engen Janka-Linie, der Bestzeit hatte. Eine etwas falsche Position und ein verdrehter Oberkörper verursachte dann einen Sturz mit all diesen Kräften, die in dieser Kurve wirkten. Schon wieder dieses verflixte Ziel-S, ich war ziemlich sauer an diesem Tag. Aber es kam auf Sonntag drauf an. Bei Kaiserwetter scherzte ich vor dem Start noch mit Paddy Kälin darüber, dass ich heute auf der längsten Strecke nicht zwei Mal starten möchte, einmal sei schon mehr als genug! Und genau das wurde mir zum Verhängnis, schon wieder stürzte dieser Terry Wyler vor mir, nach zwei Minuten Lauberhorn in den Beinen wurde ich wieder abgewunken! Was für ein Pech, ich war ziemlich sauer auf diesen Kanadier und hätte beim runter Rutschen am liebsten einen Halt bei ihm gemacht… Ich versuchte das Positive zu sehen, durfte nochmals einen Eiger-Mönch-Jungfrau-Panoramaflug erleben, was meine Stimmung nicht gross aufheiterte. Beim zweiten Mal hatte ich keine Chance mehr, meine Beine waren bei der Wasserstation durch und ich entschloss mich, die Hocke um ein paar Zentimeter zu heben, damit ich dann noch bis runter mag. Ich wollte dann einfach nur noch das Ziel-S mal am Rennen fahren können, und dies schaffte ich. Im Ziel sackte ich beim Bremsen zusammen, wie ein Häufchen Elend lag ich dort und war froh, dass ich fast zwei Mal die Strecke bewältigt habe. Das einzig Positive an dem Doppelstart: Der Fanclub sah mich zwei Mal über den Hundschopf fliegen ;-)
Nach diesem Resultat entschied ich mich, nach Val d’Isère an die Europacups zu reisen. Es war eine Entscheidung gegen Kitzbühel und eine Entscheidung für die Zukunft. Ich musste meine Startnummer für nächstes Jahr absichern und der Plan war, an den Europacups in die Top 3 zu fahren, um gute FIS-Punkte zu erhalten. Mit Startnummer 33 startete ich beim ersten Training und wer hat Nummer 32, siehe da: Terry Wyler! Mit dem Skianzug und dem Riesenslalom-Ski startete er zum ersten Training, hat aber (zum Glück) beim ersten Tor abgeschwungen (Aus Sicherheitsgründen muss man in der Abfahrt mindestens an einem Training gestartet sein, um am Rennen teilnehmen zu dürfen). Ich machte meine Fahrt, verlor um die 4 Sekunden und war nur 50.
Ich wusste, wo ich 2-3 Sekunden rausholen könnte, aber gerade 4-5 würden dann schon schwierig, zumal die anderen wahrscheinlich auch nicht perfekte Fahrten gehabt haben. Nach einer langen Videoanalyse ging ich dann schlafen und am nächsten Tag ging es mit Nummer 33 an den Start. Mein ‚Kanadier-Freund‘, der sich bis heute noch nicht entschuldigt hat, fehlte zum Glück, da er noch zu starke Schmerzen vom Sturz in Wengen hatte. Ich erwischte das meiste wie ich es wollte, kam ins Ziel und wurde 3.! Ein gutes Resultat, aber gebracht hatte es mich noch wenig, immer noch eine halbe Sekunde Rückstand. Am Tag darauf verbesserte ich dann nochmals einige Stellen, holte das möglichste heraus und konnte die Abfahrt von Val d’Isère gewinnen! Unser Plan war vollkommen aufgegangen und ich war sehr froh, dass ich das geschafft hatte. Nun sind sicher 50% der guten Startposition im Kasten und ich kann positiv nach vorne schauen.
Die Europacups in Crans Montana von morgen und Übermorgen wurden bereits abgesagt, weiter geht es nächste Woche mit zwei Abfahrten und einem Super-G in Sella Neva (im östlichsten Teil von Italien), bevor ihr mich dann wieder am Fernsehen weiterverfolgen könnt an den Weltcuprennen in Saalbach, Garmisch etc.

Natürlich würde ich mich auch freuen, den einen oder anderen vor Ort zu sehen, der Fanclub geht wieder und organisiert die Reise mit Privatautos.

Bis bald, Ralph

Highlight zum Jahreswechsel - Platz 10 im Weltcup!

 |  Sonntag, 11 Januar 2015 00:00

Die ersten Weltcuppunkte sind da, und wie!!!

Nach nur einem Training in Santa Caterina wurde das zweite Training abgesagt und es ging direkt zum Rennen. Das Training verlief nicht entsprechend, ich verlor Zeit aber war trotzdem gut auf das Rennen gestimmt. Endlich mal ein Rennen, wo ich nicht einen Nachteil hatte als Neuling; denn alle Routiniers waren auch Neulinge auf der frischen Strecke in Italien.

Der Renntag war windig, es schneite ziemlich und das Wetter wurde immer schlechter gemeldet gegen Tagesende. Es wurde diskutiert, ob das Rennen vom Reservestart aus gestartet wird. Auch ich war dafür, von oben hätte es wahrscheinlich ein unfaires Rennen gegeben, gefährlich wäre es bei den Sprüngen auch geworden. Aber erst als der erste Vorfahrer grausam stürzte, sah dies die Jury ein und legte den Start nach unten an den Reservestart. Für alle wieder eine neue Situation. Mit Startnummer 34 ging ich an den Start.

Ich startete nicht perfekt, aber ganz ok und ansprechend. Bei der ersten Zwischenzeit verlor ich nicht viel, lediglich 0.19sek auf den Führenden. Auch Ausfahrt Steilhang ging alles auf, kam mit gutem Gefühl auf die Fläche in der Hocke. Und auf einmal sah ich ein Männchen mit der gelben Fahne - abbremsen, einer vor mir ist gestürzt und ich muss nochmals starten. Für mich natürlich ein grosser Ärger.

Janu, mit dem Skidoo gings zur Mittelstation, mit den Rennski (mit nur einem Skibändeli zusammengebunden, anstatt 4...) gings mit der Gondel wieder rauf und ich musste mit den Rennski an den Start fahren/laufen. Es hatte relativ viele Steine und ich hatte eher Angst um meine Ski als um mein Rennen. Hässig ging ich zum Start, zog enttäuscht die Ski ab, der ganze Staff wusste, wie sich das anfühlt. Natürlich hatte ich nicht einfach einen zweiten Ski am Start, der Servicemann schaute kurz den Ski an und gab das ok, er habe nicht allzu viele Steine abgekriegt. Also das Zeichen, dass ich es nochmals versuchen kann und es sich trotz allem noch lohnt.

Im Moment im Starttor nahm ich mich nochmals zusammen, ich dachte, welche Kurven ich oben verbessern müsse, was ich schneller fahren kann bis zu meinem ersten Rennabbruch. Und dies versuchte ich umzusetzen, ich fuhr sehr überzeugt Ski, setzte alles auf eine Karte und wusste, wo ich wie lange in der Hocke fahren kann, wo ich öffnen muss etc.

Im unteren Teil gab es Kurven, die ich besser hätte fahren können, ich erwischte aber die meisten Kurven ganz gut. Nach der Ziellinie dachte ich: "So Ralph, jetzt siehst du Platz 35-40, es war eine weitere Trainingsfahrt, scheiss Tag, abhaken und weiter gehts." Trotzdem schaute ich mal scheu auf die Anzeigetafel; und konnte es kaum glauben, die '10' stand da! Ich musste aber schon ein zweites Mal hinschauen, sodass ich nicht zu früh juble weil ich mich verschaut habe. Ich dachte, dass das gar nicht möglich ist, aber es war tatsächlich so!

Danach gab es einen ziemlichen Medienrummel, extrem viele schreibten mir, auf der Heimreise war ich vier Stunden am zurückschreiben und auch Tage danach war ich beschäftigt, jedem persönlich zurückzuschreiben. Ich bedanke mich herzlichst bei allen, die mir Glückwünsche und Gratulationen aussprachen und das ganze mitverfolgt haben. Auch der kleinen Fanclub-Gruppe, die nach Santa Caterina mitgekommen sind sowie der Familie möchte ich mich bedanken für die Unterstützung!

Die Fahrten von mir gibts noch im SRF Videoportal zu sehen.

Und entschuldigt die späte Dokumentation dieses super Erfolges, ich beantwortete extrem viele WhatsApp, SMS, Mails, Telefone etc. und wollte das ganze mal legen lassen.

Nun geht es wieder zum Highlight-Rennen des Jahres, das Lauberhorn ruft und ich freue mich wieder auf die minutenlange Gänsehaut, als Schweizer Abfahrer das schönste Rennen des Jahres! Bis in Wengen, euer Ralph

Foto: Copyright by Sven Thomann/BlickSport

Rennrückblick Nordamerika

 |  Samstag, 06 Dezember 2014 00:00

Für meine Mitverfolger habe ich gerne kurz meine beiden Weltcupabfahrten von Lake Louise und Beaver Creek zusammengefasst, viel Spass beim Lesen! ;-)

Rennbericht Lake Louise

Nach nur einem Training bei -20 Grad Celsius schneite es sehr viel und am Renntag herrschten völlig andere Bedingungen vor. Bei eiskalten Temperaturen von -28 Grad Celsius starteten wir aber trotzdem pünktlich zum Rennen bei traumhafter Kulisse. Nachfolgend einige Schilderungen zum Rennen und wo ich meines Erachtens Zeit liegen gelassen habe unterwegs.

Im oberen Teil fuhr ich einmal zu nah ans Tor, war vielleicht ein wenig zu agressiv auf diesem sehr kalten Schnee. Im Mittelteil stellte ich unnötig quer beim Fishnet, was aber je nachdem gar nicht so blöd war. Und im unteren Teil wollte ich die Ski zu früh laufen lassen, ich war ein wenig zu spät und kam in den Neuschnee. Und auch in der letzten Kurve verpasste ich den Ansatz ein wenig, es war sehr weich und kostete mich nochmals einige Zeit.

Schlussendlich landete ich mit Startnummer 35 auf dem 43. Platz, womit ich sicherlich nicht zufrieden bin und ärgere mich über mich selber; solche Chancen muss man nutzen. Ich hatte nicht viele Fehler aber schlussendlich zählt es sich auf einem so einfach Kurs mit diesen Verhältnissen anscheinend doch extrem.

Rennbericht Beaver Creek

Auf das Rennen in Beaver Creek freute ich mich auch besonders. Auch hier war ich schon mal, obwohl aber letztes Jahr auf der Strecke 'Raptor' gefahren wurde und dieses Mal wieder auf der 'Birds of Prey', der eigentlichen und schwierigeren Abfahrtsstrecke. In den Trainings verlor ich anfangs ziemlich Zeit; es hatte Schwünge drin, die ich vom Gelände her noch nie so fahren konnte. Ich steigerte mich aber von Lauf zu Lauf, immer mehr Kurven sitzten mir und ich konnte am positiv aufs Rennen eingestellt sein.

Der Renntag war wettertechnisch abwechslungsreich und ich sah, wie eine Nimbocumulus-Wolke langsam sich herannähert und es mich je nachdem treffen könnte mit der schlechten Sicht. Also nahm ich zwei Head-Brillen an den Start; eine mit Glas für gute Sicht, die andere für schlechte Sicht. Zwei Minuten vor meinem Start wechselte ich dann auf das 'Schlechtwetterglas', was eine gute Entscheidung war, es konnte losgehen!

Ein guter Start war wichtig, hier in Beaver Creek, es war anfangs ziemlich flach. Mit 0.05sek Rückstand auf Mister Jansrud war ich oben noch dabei. Bei der Netzkurve (welche bei der ersten Besichtigung wirklich etwas unheimlich aussieht!) konnte ich nicht alles auf Zug durchfahren. Es ging weiter mit dem eher anspruchsvollen und schnellen Mittelteil, welcher mir grösstenteils zufriedenstellend geling. Bei den Gleitkurven patzte ich: Ich wollte zu viel und musste im Gleitstück nachdrücken, das kostete nochmals viel Zeit!! Die letzten Sprünge gingen mir gut, der untere Teil passte so und ich konnte ihn fahren, wie ich es mir vorgestellt hatte. Da allerdings vom Flachstück vor dem Golden Eagle her der Speed fehlte, büsste ich das bis zum letzten Meter. Schlussendlich war ich mit Startnummer 34 mit 2.61sek Rückstand (eigentlich gar nicht so schlecht auf der bekanntlich drittschwersten Abfahrt nach Kitzbühel und Bormio) nur auf dem 44. Rang. Alles lag brutal nah zusammen, auf den 2. Platz verlor ich 'nur' 2.1sek.

Alles in allem bin ich immer noch um 5 Jahre der jüngste im Schweizer Team momentan, war der 2. oder 3.-jüngste am Start der beiden Rennen; das wird viel vergessen. Trotzdem aber: Persönlich will ich mit älteren mithalten können, das ist mein Ziel und soll es auch sein.

Ich denke, dass technisch seit dem letzten Jahr ein grosser Schritt vorwärts gegangen ist und sich auf dem sicherlich aufbauen lässt. Es geht momentan noch darum, die Pisten kennen zu lernen mit all ihren Tücken, was bei mir Trainingsfahrten braucht. Morgen Samstag gehts nach Hause, Sonntag nach dem Mittag bin ich in Zürich und dann ist am Montag bereits für mich Anreise an die Riesenslaloms in Davos, wo ich höchstwahrscheinlich mit genug Jetlag am Start stehe und die versäumten Riesenslalompunkte des letzten Jahres einfahren möchte.

Herzlichen Dank allen, die mitgefiebert haben und danke auch an www.zoom-agence.fr für die coolen Bilder für euch!

Ich freue mich auf Gröden!

Bis bald, Ralph