Fazit über die erste Saisonhälfte

  • Freitag, 03 Februar 2017 16:42
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Vor der WM 2017 schaue ich an eine verknorkste und unglückliche erste Saisonhälfte zurück. Es war bis anhin ein sehr komischer Winter - dies fing an bei den Absagen der klassischen Nordamerika-Tour bis hin zur Absage des Wengenklassikers. Bei den Rennen in Val d'Isère, welche den Startschuss dieses Jahr lieferten, war ich extrem nervös. Als jüngster in den Top 30 hatte ich viele Erwartungen zu erfüllen; auch meine eigenen. Mit einem 25. Platz im Super-G und einem 30. Platz in der Abfahrt war ich nicht top zufrieden, allerdings auch nicht unglücklich. Es waren komische Rennen - in der Abfahrt ist unter den ersten 30 nur einer vorzufinden, der eine höhere Nummer als 35 hatte.

Für Gröden nahm ich mir viel vor - letztes Jahr war das meine Comebackstrecke und ich wurde direkt 11.! Allerdings lief es mir gar nicht - nichts ging und ich verpasste die Punkte. Es waren sehr enge Rennen und die Leistungsdichte ist extrem hoch. Das letzte Rennen vor Jahreswechsel bildete Santa Caterina - die Abfahrt musste leider auch abgesagt werden - im Super-G fuhr ich schlecht und im Kombinations-Super-G schied ich mit der 12.-schnellsten Zwischenzeit kurz vor dem Ziel aus, in dem ich ins Tor fuhr. Mir passierte nichts - allerdings war es auch wieder ein Wochenende zum Vergessen. Es lief irgendwie einfach nicht; allerdings war ich im Super-G mal endlich wieder schnell unterwegs, was mich zuversichtlich stimmte. Nun gab es eine längere Skipause, bevor es mit dem Weltcup in Wengen weiterging. Als Vorfahrer in Adelboden beim Slalom holte ich mir den letzten Schliff für die Kombination in Wengen. Es war ein super cooles Gefühl in Adelboden mal die ganze Kulisse ganz locker geniessen zu dürfen - und ich kam sogar 2x ohne Zwischenfall das Chuenisbärgli herunter - auch keine Selbstverständlichkeit ;-)

In Wengen wurde uns dann wieder das Wetter zum Verhängnis - der Abfahrtsklassiker wurde abgesagt - und in der Kombination wurde der Slalom vorgezogen, in dem ich einen groben Bock schoss und nach den Top 30 klassiert war. Zuerst dachte ich, dass das bei dem Schneefall gar nicht mal so schlecht sein könnte. Dass es aber eines der unfairsten Rennen im Skiweltcup geben könnte, hätte ich nicht gedacht. Das Pech klebte irgendwie förmlich an mir. Wenn es mal nicht gelaufen ist und/oder ich Fehler machte, dann kam schlichtweg noch Pech dazu.

Die legendäre Streif wartete auf uns - sie war dieses Jahr extrem eisig und erstmals fanden vor den Weltcuprennen auf der verkürzten Streif Europacuprennen statt. Dies erleichterte den Jungen den Einstieg in den Weltcup in Kitzbühel erheblich, was wir auch gut merkten. Viele, die den Europacup bestritten haben, waren im ersten Training schon gut dabei, wo wir, welche noch den Weltcup in Wengen gefahren sind, erst noch Mühe hatten. Es war im oberen Teil aus meiner Sicht übertrieben gewässert und es gab schon bei der ersten Besichtigung viele, sehr harte Schläge. An den Renntagen war ich aber gut bereit - mit dem einen oder anderen Fehler wurde ich 25. im Super-G und 28. in der Abfahrt - und auch hier durfte man nicht mehr als 2 Sekunden verlieren, dass man noch in den Top 30 aufgelistet wird - das ist schon verrückt auf der härtesten Abfahrt der Welt! Ich hatte gute Sektorzeiten, aber es waren nicht fehlerlose Fahrten von mir.

Janu - es nützte nichts - es ging weiter mit Training auf der WM-Strecke bei herrlichem Wetter und dann mit den Weltcuprennen in Garmisch mit der letzten Möglichkeit sich noch für die WM zu empfehlen. Aber auch dort gelang mir das nicht, denn ich fuhr einfach nicht gut Ski. Ich konnte mit all diesen Schattenhängen nicht viel Anfangen im Weltcup und hatte Mühe damit. Mental setzte es auch ein wenig zu, da einen die Medien bereits löcherten mit der WM, die seit zwei Jahren das Thema waren und kein Interview ohne mindestens eine Frage zur WM über die Bühne ging.

Ich konnte mich aufgrund der Rennergebnisse nicht für die WM qualifizieren - es lief mir nicht, ich habe nicht die Leistung abgerufen, die ich drauf habe und hatte zu allem hin noch Pech, so dass meine gemachten Fehler doppelt bestraft wurden. Natürlich war ich sehr enttäuscht, als ich erfuhr, dass ich nicht nominiert wurde. Obwohl ich bei den Trainings auf der WM-Piste 10 Tage vor deren Austragung noch gut dabei war, so reichten halt die Rennergebnisse nicht. Im Super-G konnte ich mich gegen die gesetzten Beat Feuz, Carlo Janka und Mauro Caviezel nicht durchsetzen. Und da Patrick Küng als Weltmeister in einer anderen Disziplin nicht eine bessere Super-G-Saison wie ich erwischt hatte, half ihm der Weltmeister-Bonus und auch das Kontingent, das ausging.

Allerdings bin ich nun irgendwie froh, dass der ganze Druck mal weg ist von mir - die WM ist endlich bald Geschichte und nach den Rennen von Garmisch und Kitzbühel darf ich froh sein, dass ich noch auf den Beinen bin, da es doch schon wieder einige schwere Stürze gab mit schmerzhaften und langwierigen Verletzungen.

Nun muss ich in Kvitfjell Vollgas geben und einen ähnlichen Saisonendspurt hinlegen wie letztes Jahr; dann kann meine zweite Saisonhälfte die erste noch retten und für einige gute Resultate sorgen.

Ich möchte mich bei all meinen Fans, Sponsoren, Gönnern, Mitfieberern etc. recht herzlichst bedanken - genau in diesen Zeiten bin ich umso mehr froh, dass ich auf euch zählen darf und ihr mich unterstützt! Ein herzliches Dankeschön, ihr seid die besten!